August 2015: Kenia: Statusbericht Little Angels, Nairobi-Kibera Slum

Kenia: Little Angels, Nairobi-Kibera

Susan Mwangi berichtet aus dem grössten Slum in Kenia.

Die Gründerin von „Little Angels“ (Kleine Engel) war meine Mutter, Emmah Njanju Mwangi. Sie war während mehr als 20 Jahren die Leiterin des St. Michael Kindergartens Kibera-Laini-Saba. Dank ihrer Erfahrung kannte sie die Situation und die Bedürfnisse der Kibera-Kinder gut.

Nach ihrer Pensionierung als Schulleiterin arbeitete sie als Freiwillige in verschiedenen Kinderzentren in den Slums von Kibera. Es ging ihr darum, die Ausbildung der Kinder zu verbessern. Sie trug auch dazu bei, die Administration dieser informellen Institutionen zu optimieren. Zur selben Zeit begann sie, Frauen im Backen zu unterrichten. Dafür benützten sie die traditionellen Öfen. Die Frauen lernten, sich besser um ihre Familien zu sorgen in Bezug auf Hygiene, Ernährung und Pflege.
Als Teil dieses Unterrichts begannen die Frauen die gebackenen Produkte von Haus zu Haus zu verkaufen. Während diesen Touren traf Emmah viele Frauen, welche in jüngeren Jahren ihre Schülerinnen gewesen waren. Die meisten sind in Kibera geblieben und haben jetzt ihre eigene Familie mit Kindern.

Die meisten dieser Eltern brachten ihre Kinder zur Tagesbetreuung in ihr Haus. Sie hatten Vertrauen zu ihr und es war kostenlos. Aus dieser Aktivität heraus erkannte sie die Notwendigkeit für eine Kindertagesstätte, um die Lücke, die in ihrer Nachbarschaft bestand, zu schliessen.

„Little Angels“ begann in einer Kirche nahe ihrem Haus. An den Arbeitstagen vermietete die Kirche die eigenen Räumlichkeiten. Anfangs hatte sie kaum zehn Kinder, später nahm die Anzahl stetig zu. Die Kirchenpflege und einige Mitglieder nahmen an, sie verdiene damit viel Geld. Deshalb beendeten sie den Mietvertrag, sandten Emmah weg und starteten ihr eigenes Geschäft.
Wieder zuhause ohne ihr Geschäft, führte sie die Betreuung der Kinder bei sich zuhause weiter. Zu diesem Zeitpunkt entschieden wir – ihre Kinder – einen richtigen Kindergarten in ihrem eigenen Haus einzurichten. Dies konnte nur dank der grosszügigen Unterstützung durch die „Peter-Bachmann-Stiftung“ erreicht werden.
Heute betreut der Kindergarten 180 Kinder.

„Little Angels“ wurde 2013 als Kinder-Zentrum registriert. Man konnte es nicht als Schule registrieren, weil die staatlichen Anforderungen für eine akademischen Institution nicht erfüllt waren in Bezug auf Platz, Lehrerausbildung usw.
Die Eltern tragen zum Unterhalt des Zentrums bei. Obwohl beinahe 50 % der Eltern nichts bezahlen kann, kommen die anderen 50 % für die Differenz auf.

Andere namhafte Beiträge kommen von der „Peter-Bachmann-Stiftung“ (PBF). Peters Stiftung hat seit vielen Jahren – seit 2007 – dazu beigetragen, dass die Standards im Zentrum stetig verbessert werden konnten. Es war die Unterstützung von PBF, welche die Ernährung der Kinder im Zentrum ermöglichte. Mit Peters Beiträgen konnten wir uns auch Ausflüge für die Kinder leisten. Solche Schulreisen sind entweder zur Freude oder zur Ausbildung, damit die Kinder auch die Welt ausserhalb ihrer Umgebung zu sehen bekommen. Beiträge von anderen haben auch viel geholfen, aber ohne die Spenden von der „Peter-Bachmann-Stiftung“ hätte das Zentrum nicht das heutige Niveau erreicht.

Wir haben das Wachstum des Zentrums verfolgen können und hatten die Möglichkeit verschiedene Aktivitäten zu Gunsten der Kinder durchzuführen. Aber wir hatten auch Schwierigkeiten zu verkraften, wie:
1. Die Gewalttaten nach den Wahlen von 2008
2. Die kürzlichen Brände

Dies sind die Rückschläge. Wir haben das Leben von Kindern durch Feuersbrünste verloren, die durch fehlerhafte Stromkabel aber auch durch Fahrlässigkeit wegen Trunkenheit ausgelöst worden sind und sich wegen der Enge zwischen den Häusern rasch ausgebreitet haben.

Ein weiteres Problem ist der fehlende Platz, denn inzwischen betreuen wir eine recht grosse Anzahl Kinder. Es ist sehr schwer Eltern NEIN zu sagen und Kinder abzuweisen, denn diese wollen, dass ihre Kinder im Hort sind. Sie haben ihre echten Gründe dafür, obwohl diese Gründe sehr unterschiedlich sein können. Die Eltern brauchen uns, damit wir uns um ihre Kinder kümmern.
Die treibende Kraft für unser fortgesetztes Engagement ist, dass wir als Familie der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen. Wir wissen und verstehen sehr gut, dass jede Entwicklungsstufe bei einem Kind sehr wichtig ist für die spätere Ausbildung und den weiteren Lebensweg.

Das kürzliche Feuer vernichtete alles im Hort. Es hatte seinen Ursprung nachts in einem benachbarten Gebäude.
Wir bekamen Hilfe von Familie und Freunden, die grosszügige Beiträge leisteten. Die Eltern der Kinder halfen ebenfalls handfest mit, sodass der Hort vor anfangs Mai wieder betriebsbereit war.

Wir wollen auch nicht unsere Nachbarn vergessen, die sich aktiv einsetzten und versuchten die Ausbreitung des Feuers in Richtung des Horts zu verhindern, indem sie Wasser entgegen schütteten und die Feuerwehr um Hilfe riefen.

Derzeit läuft alles gut. Wir sind uns allerdings der Gefahren bewusst, die uns umgeben. Unsere grösste Kraft ist der vereinte Wille von Eltern, Mitarbeitenden und Freunden den Hort nicht aufzugeben. Wir planen eine Schulreise und einen Familientag, wo wir alle Eltern und Kinder einladen, ihre Träume, ihre Wünsche und Visionen mit uns zu teilen.

Für die Zukunft planen wir eine Person fest einzustellen, die sich um die Administration kümmert, damit die Lehrer, andere Mitarbeitende und die Schulleitung sich ganz der Umsetzung der laufenden Programme widmen kann.
Danke, Peter
24.06.2015 (übersetzt aus dem Englischen)