März 2018: Äthiopien / Lalibela: Überlebensstrategie von Haftu

Resilienz in der Überlebensstrategie von Haftu in Lalibela.  Er entdeckt seine kreativen Fähigkeiten und setzt sie ein

Der heute 23jährige Haftu ist in Lalibela in einer äusserst armen Familie aufgewachsen. Er schreibt, dass es nach der obligatorischen Schulzeit für ihn unendlich schwierig war  eine regelmässige  Tätigkeit zu finden.  Er erinnert sich, dass sein ganzes Leben aus Schwierigkeiten, Enttäuschungen und begrabenen Hoffnungen bestand.  Doch er wollte keinesfalls aufgeben, vor allem nachdem er eine kleine Familie gründete.  Das Helle wie auch das Dunkle, sagt er, habe er gelernt anzunehmen und daraus zu lernen.

Eigentlich entspricht Haftu in mancher Hinsicht  dem allseits bekannten Profil junger Schulabgänger. Wach, aufmerksam und kritisch verfolgte er  schon als Kind den unglaublichen Aufschwung in Lalibela:  fremde und einheimische Investoren bauen Hotels über Hotels , die manchmal  nie fertig erstellt sind. Neue Gebäude und Strassen prägen das Ortsbild. Der Verkehr nimmt täglich zu. Bauern von weither überlassen ihre Äcker, den Pflug, das wenige Vieh den Angehörigen ihrer Familie und  ziehen auf Arbeitsuche in den Bezirksort.  Da in den entlegenen Dörfern  die Schule gerade bis zur vierten Klasse besucht werden kann, sind die „students“ angehalten nach Lalibela zu ziehen und dort die obligatorische Schulpflicht zu erfüllen. Dort suchen sie sich auf kleinstem Raum eine Schlafstätte. Ihre Schuluniform tarnt  ihren sozialen Status und ihre Herkunft.

Haftu ist stets auf der Suche nach unentdeckten Geschäfts-Nischen und   verfolgt diese Entwicklung.  Der  stark aufkommende Verkehr vom Dreirad-Taxi, Tuk-Tuk, bis zu verschiedenen Kleinbussen bringt Waren, Touristen, Materialien aller Art aus anderen Städten nach Lalibela.  Auf den manchmal originell beklebten Fahrzeugen  entdeckt Haftu seine kreativen Fähigkeiten.

Vor einem Jahr beschrieb er im Büro von PBF  seine Idee. Wenig später  stellte er an einem belebten Strassenrand einen kleinen Tisch auf, besorgt sich Schere, Klebstoff, farbige Folien und ist hellhörig für die „Interessen“ seiner Kundschaft. Seine Stickers sind gefragt für Werbung aller Art!

Heute kann er für seine kleine Familie sorgen von „hand to mouth“, seine Frau und seinen kleinen Sohn. Sogar weitere Verwandte profitieren manchmal vom bescheidenen Verdienst. Die Gemeindeverwaltung hat ihm jetzt – nach einem Jahr – einen  kleinen Blechcontainer  in Aussicht gestellt.  Peter und Ingrid waren im Januar Besucher aus der Schweiz. Sie und andere vor ihnen  haben ihm Arbeitsmaterial mitgebracht.  Die Nachfrage nach „Dekors“  lässt nicht nach.  Haftu leistet  auf seine ganz eigene Weise einen farbigen, oft recht besinnlich und moralisch anmutenden Beitrag zum Erscheinungsbild von Lalibela, der „Heiligen Stadt Jerusalem“  am Fuss des Ashetongebirges!

Da wäre nachzufragen was Haftu mit dem heute oft genannten Begriff aus der Psychologie  Resilienz zu tun hat. Leser/innenbeiträge an den Webmaster sind willkommen: Lässt sich im Leben von Haftu und der Beziehungsarbeit von PBF  Beispielhaftes erkennen?