Reisebericht Kiwanis 2013-08

Bewegendes in Sri Lanka und Chilaw – gestern (2003) und heute (2013)

Wir – eine Gruppe von Frauen eines Kiwanisclubs aus Zürich – reisten vor 10 Jahren erwartungsvoll zur Einweihung einer Schule für „slow learners“ nach Colombo, Sri Lanka. Das Land bzw. die Probleme behinderter Kinder waren uns aus den Schilderungen von Peter Bachmann und seinen umfangreichen Fotodokumentationen bekannt. Seine Idee vom Bau einer Schule überzeugte uns so stark, dass wir mit Hilfe von befreundeten Clubs aus der Region Zürich mit einem grossen Sponsorenlauf in aufwändiger Vorarbeit die Summe für den Bau zusammenbrachten.
Die Einweihung des Hauses etwas ausserhalb des Städtchens Chilaw lief sehr zeremoniell ab. Nebst den glücklichen Eltern, die erstmals eine Perspektive für ihre behinderten Kinder sahen, waren verschiedene lokale Würdenträger anwesend. Eine TV-Station übertrug das Ereignis. Wir Frauen fühlten uns bei dieser Einweihung in der fremden, und vor allem auch sehr heissen Gegend mit vielen Sprechern (wellwishers) in singhalesischer Sprache etwas wie Statisten. Zwar herzlich willkommen, aber nicht wirklich dazugehörend.

….und jetzt im August 2013
Ich reise mit Heiner, meinem Ehemann und Freunden aus Florenz, die eine srilankische Frau adoptiert hatten, erneut nach Sri Lanka. Auf dem Weg vom Flughafen nach Negombo, wo wir die kommenden zwei Wochen verbringen wollen, fallen uns bereits die vielen neueren Autos auf der Strasse auf. Vor zehn Jahren glaubten wir uns an sehr, sehr viele Velofahrer und Fussgänger, Motorräder und Kühe am Strassenrand zu erinnern. Den Strassen entlang gibt es heute moderne Glasbauten mit Autoausstellungen und auch schon Fastfood-Ketten. Keine Frage, das Land hatte sich stark verändert. Das Ende des Krieges liess nun viele Investitionen zu.
Natürlich war auch ein Besuch in Chilaw, dem Zentrum der Peter Bachmann Foundation für „slow learners“ angesagt. Was für eine Überraschung treffen wir dort an. Der steinige Eingang zur Schule ist einem wunderschönen kleinen Park gewichen. Ehemalige Absolventen der Schule unterhalten die Gartenanlage. Hochzeitspaare bzw. deren Fotografen benützen die Anlage für dekorative Hintergrundaufnahmen. Wo man sich früher der behinderten Kinder wegen schämte, wird heute stolz auf die Schule der Kinder verwiesen. Einzelne kommen sogar mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Linienbus hat eine Haltestelle in der Nähe. Das Städtchen ist gewachsen und in der Umgebung haben sich Geschäfte angesiedelt.
Wir besuchen vier Klassen. Die Schülerinnen und Schüler zeigen uns stolz ihre Hefte und Zeichnungen. Sie sprechen singhalesisch und wir schweizerdeutsch und trotzdem verstehen wir uns prächtig. Zwei Klassen sind mit Werken beschäftigt. Mit grösster Sorgfalt werden Türvorlagen aus Restenstoffe in einer hervorragenden Qualität hergestellt. Da es auf dieser tropischen Insel häufig regnet und ein Haus nie mit Schuhen betreten wird, sind Türvorleger vor jedem Haus und vor jedem Eingang notwendig, um nasse Füsse zu trocknen. Sie werden verkauft und sind eine willkommene, wenn auch kleine Einnahmenquelle für das Zentrum.
Nicholas Nanayakarra und sein Assistent Churchill lassen uns wissen, wie stolz sie auf die Unabhängigkeit der Schule sind. Kriterium für die Aufnahme sei einzig die Behinderung und die Not der Eltern.
Unsere Videoaufnahmen der Klassen sollten nur ein Tag später zu einem traurigen Andenken an die letzten Stunden für die Eltern einer noch an unserem Besuchstag verstorbenen Schülerin werden. Der Zugang zu schneller medizinischer Leistung in einem gut eingerichteten Spital ist nicht im ganzen Land gewährleistet. Das Mädchen verstarb nach einem Zusammenbruch, noch vor der Verlegung in eine geeignete Klinik in die Hauptstadt Colombo. Für die Hinterbliebenen mag es ein Trost sein, dass ihre Tochter die letzten Jahre in einer liebevollen und sie fördernder Umgebung verbringen durfte

Lisa Stiefel, im September 2013

siehe auch:
Hansueli Holzer aus Ramsen hat seine Eindrücke vom Besuch im Kinderheim Chilaw auf Youtub in einem Film festgehalten:

SRI LANKA Chilaw Kinderheim“ (youtube: https://www.youtube.com/watch?v=qGTsPy0dzuY)